Die Angewöhnte Unwucht

Die Klaviertastatur ordnet die 12 Dur- und Moll-Tonarten hierarchisch an:
C-Dur und a-moll spielt man auf den weißen Tasten. Alle anderen Tonarten sind erheblich schwieriger zu spielen. Das Gehör registriert in jeder Tonhöhe den Abstand zum nächsthöheren Ton als sehr ähnlich. Das Klavier setzt diese Ähnlichkeit sehr holprig um, damit ein C-Dur-Musikstück einfach zu spielen ist.

Klaviertastatur und Notensystem bilden zusammen ein "Tandem":
Schwarze Taste = "Kreuz" . Weiße Taste = "reines" C-Dur.
Im Mittelalter war es ein Fortschritt, der Musik diese Schrift und ein Instrument zu geben, die melodische Klänge erfassen konnten. Weil wir jedoch nicht immer in C-Dur oder a-moll singen, führt das System zu vielen Spielfehlern in allen anderen Tonarten.

Mit der Erfindung des "Wohltemperiertem Klaviers" und der 1875 erfundenen Neu-Klaviatur hätte dieses Problem beseitigt werden können. Seit 1875 gab es viele weitere Vorreiter. Die Japaner haben 2008 einen neuen Vorstoß gewagt!

Aber das Klaviersystem behauptet immer noch die Führung im Musik-Geschäft: Daß dieses System die Aufklärungszeit überlebte und selbst im 20.Jahrhundert allen Ablösungs-Versuchen trotzen konnte, ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein träges*) System sich über Erkenntnis hinwegsetzen kann:
"Professionellen" Virtuosen war es nicht lohnend genug, sich für die Innovation einzusetzen. Sie hätten sie wohl begrüßt, wenn sie nicht schon 20 Jahre Klavier geübt hätten. Franz Liszt gab dem Klavier nach Bekanntwerdung der Neuklaviatur noch 50 Jahre. Er hat sich getäuscht.
Instrumentenbauer haben die Erfindung ebenfalls ignoriert. Es ist auch keine ganz leichte Aufgabe im hart umkämpften Musikmarkt. Vorsichtshalber praktiziert man anstelle von Respekt zum gegebenen Klavier lieber gleich eine komplette Unterwürfigkeit.
Hier werden andere Saiten aufgezogen, um dieser "trägen*)" Macht etwas entgegenzusetzen und dem Klavier den heute angemessenen Platz als einfaches und nicht mehr musik-beherrschendes Instrument zuzuweisen.

*)"Trägheit der Masse" bezeichnet in der Physik die Kraft, die nötig ist, um die Richtung der Masse zu ändern. In scheiternden trägen Systemen stellt Wendigkeit die Hoffnung auf einen besseren Weg dar, ob bei Finanzmarkt-Bewertungsmethoden oder bei der Schwarm-Intelligenz z.B. bei einem Fußballspiel.